©Dr.Liethen

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Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, warum George Washington (1732-1799), der 1.Präsident der USA auf praktisch allen Portraits so verbittert aussieht? Eigentlich hätte er doch allen Grund zu strahlen. Die Unabhängigkeit der USA ist erreicht und er ist der Präsident.
Aber sehen Sie selbst:

Washington (Austin)

Bildquelle: University of Austin (Texas)

Used by permission of the University of Texas Libraries, The University of Texas at Austin

Link zu vielen weiteren Portraits des Präsidenten:

wikipedia

Dies sind nur einige Beispiele.

Die Antwort liegt in seiner Prothese!

Prothesen in dieser Zeit waren üblicherweise aus Holz geschnitzt und deshalb sehr schwer. Als Zähne wurden entweder Tierzähne von Ochsen, Nilpferden oder Seekühen verwendet. Besser waren jedoch Menschenzähne, die mit kleinen Nägeln im Holz befestigt wurden. Solche Prothesen waren zum Essen kaum zu gebrauchen. Washingtons war dagegen ganz aus Elfenbein geschnitzt und mit einem Gaumen aus Gold versehen. Er zahlte 60 Dollar an seinen Zahnarzt John Greenwood  für diese Arbeit, war aber gezwungen, selbst bei offiziellen Essen nach kurzer Zeit den Raum zu verlassen und im Nebenzimmer heimlich etwas zu sich zu nehmen.

 

Heute ist jedes der noch existierenden 6 Gebisse für einen Betrag von 10 Millionen US-Dollar versichert.
1797 schrieb Washington an seinen Arzt: ‘Die beigefügten Zähne haben sich nach und nach gelockert; und zwei oder drei sind letztendlich herausgebrochen. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sie mir so bald wie möglich retournieren könnten, denn obwohl ich derzeit einen anderen Satz benutze, so sind sie doch beide unbequem im Munde und beulen meine Lippen auf eine Art und Weise aus, daß sie beachtlich geschwollen aussehen
.’


Auch andere bekannte Persönlichkeiten der Zeit hatten mit den Folgen der Behandlung durch ihre Zahnärzte zu kämpfen

Ludwig XIV (1638-1715) dem französischen ‘Sonnenkönig’ wurden alle seine Zähne gezogen, obwohl sie, nach Ansicht einiger Biografen, noch völlig intakt waren. Andere berichten, seine Zähne wären ruiniert gewesen. Bei der Extraktion wurde ein Teil des Gaumens zerstört.

Es entstand eine Verbindung zwischen Mund- und Nasenhöhle, was ein Essen sehr erschwerte. Die Speisen kamen nämlich teilweise zur Nase wieder heraus. Eine Mundpflege war natürlich auch unmöglich und es entstand ein schlimmer Mundgeruch. Damit das Loch zuwachsen sollte, wurde die Stelle mehrfach mit einem glühenden Eisen ausgebrannt. Eine Heilung trat aber, trotz dieser schmerzhaften Behandlung nicht ein. Ausserdem wurde ihm der Unterkiefer gebrochen.
Neuere Forschungen besagen allerdings, daß der König bereits als Kind durch zuvielem Genuß von Süßigkeiten, kariöse Zähne hatte. Im Jahre 1685 mußten dann die Zähne im Oberkiefer extrahiert werden, wobei es zu der oben bereits beschriebenen Eröffnung der Kieferhöhle kam. Allerdings war der Defekt wohl nicht so groß, wie in vielen Quellen beschrieben und heilte bis auf eine kleine Restfistel aus. Bei der Fraktur des Oberkiefers handelte es sich wahrscheinlich um einen Abriß des Kieferkammfortsatzes, der bei den damaligen Extraktionsmöglichkeiten oft nicht zu verhindern war. Der Unterkiefer war wahrscheinlich nicht gebrochen, die Quellen berufen sich  auf vage Formulierungen im “Journal de santé du roi...” (LeRoi 1862). Die Behandlung war wohl zeitgemäß nicht besonders schlecht, so daß das Bild des Zahnarztes nicht  mehr so dramatisch ist, wie in älteren Quellen angegeben. Der letzte Zahn wurde ihm  im Jahre 1707 gezogen.
Allerdings muß die allgemeine Behandlung des Königs sehr kritisch betrachtet werden. So erhielt er in einem Jahr 215 Medikamente, 212 Einläufe und 47 Aderlasse! Wie der König diese Torturen überstanden hat, ist heute nicht mehr nachvollziehbar

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Bild des Königs: wikipedia

Allerdings hätten auch schon damals die Reichen etwas für ihre Zähne machen können, wie die Zahnbürste beweist, die im Sommer 2003 in Quedlinburg gefunden wurde. Sie stellt die älteste bisher in Europa gefundene Bürste dar und ist ca 250 Jahre alt.

Der Gebrauch der Bürste war vor allem für die wolhhabenderen Bürger notwendig, da nur sie sich eine zuckerreiche Nahrung leisten konnten, aber auch Karies entwickelten.
Die Bürste ist aus Schweinsknochen und 9 cm lang
.

Pierre Fauchard (1678-22.3.1761), der Begründer der wissenschaftlichen Zahnheilkunde.
Er schrieb ein 2-bändiges Werk, daß nicht nur das ‘Herausreißen’ der Zähne behandelte, sondern entwickelte Methoden zur Zahnerhaltung mit Füllungen aus Blei oder Zinn .
Außerdem widmete er sich der Prothetik ( Prothesen, die mit athmosphärischem Druck gehalten wurden; Implantaten und Transplantationen, die er aber nicht weiter entwickelte). Er führte die Benutzung eines  Behandlungsstuhles ein. Bis dahin hatten die Patienten auf dem Boden sitzen müssen.

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Quelle: wikipedia

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Instrumente, die Fauchard entwickelt hat Quelle:wikipedia

Philipp Pfaff (* 1713; † 4. März 1766) war der Königlich-Preußische Hofzahnarzt von Friedrich dem Großen und revolutionärer Vordenker in der Zahnmedizin.
Er veröffentlichte im Jahre 1756 das erste Lehrbuch der Zahnheilkunde in deutscher Sprache: „Abhandlungen von den Zähnen und deren Krankheiten“. Unter anderem wird darin beschrieben, wie ein Wachsabdruck vom Kiefer gefertigt und dieser mit Gips ausgegossen wird, um auf dem Kiefermodell Zahnersatz herzustellen. Außerdem findet sich hier die Erstbeschreibung einer direkten Überkappung des vitalen Zahnmarks mit einem gebogenen Stück Gold.
Pfaff legte das Buch auch seinem König Friedrich dem Großen vor, der ihn darauf mit dem in Preußen erstmalig verliehenen Titel „Hofzahnarzt“ und „Hofrat“ auszeichnete (Quelle:wikipedia)

Wie sich die Behandlungsmöglichkeiten  weiter entwickelt haben, können Sie auf den folgenden Seiten entdecken.   

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